03.07.2013: Grosses Abschlussinterview zur Saison 2012/2013

Per 1. Juli 2012 wechselte Trainer Pascal Frommenwiler vom FC Rotmonten zum SC Brühl. Beim SCB2 bliebt seither kein Stein auf dem anderen. PF PRO SOCCER hat nachgefragt, wie der Trainer das erste Jahr beim SC Brühl erlebt hat.

Vor einem Jahr hast du das Amt als Cheftrainer des SCB2 übernommen. War es die richtige Entscheidung?

In meinem Kopf spielt sich einiges ab bis ich eine Entscheidung treffe. Letztlich entscheide ich zwar alleine, hole mir in solchen Phasen aber oft eine Zweitmeinung ein.

Vor einem Jahr stellte sich für mich die Frage, ob ich bei meiner völlig intakten Mannschaft beim FC Rotmonten bleibe oder das Angebot der 2. Mannschaft des SC Brühl – ein damaliges Pulverfass! – annehme.

Ich habe beim SC Brühl eine tolle Fussballzeit erlebt, schon alleine deshalb ist es grossartig so viele Jahre danach etwas zurückzugeben. Dazu kommt, dass ich Pascal Möller – Gründer, Macher und Kapitän dieser Mannschaft – bei der Verwirklichung seines Projektes unter die Arme greifen wollte. Menschen, die in der heutigen Zeit freiwillig einen derartigen Aufwand betreiben um ein paar Fussballverrückten solchen Spass zu ermöglichen, verdienen Respekt und Anerkennung.

Ja, ich habe mich richtig entschieden.

Es gibt sicher leichtere Aufgaben als einen Scherbenhaufen zu übernehmen und gleichzeitig Ziele für die Saison 2012/2013 zu erhalten, die letztlich darüber entscheiden, ob diese Mannschaft weiterhin bestehen bleibt oder nicht. Wie bist du damit umgegangen?

Klar war die damalige Situation rundum den SCB2 speziell, aber zu keinem Zeitpunkt aussichtslos. Ich habe mit Kurt Scheiwiller, Sportlicher Leiter Aktive, bei ihm zu Hause auf dem Balkon die Ziele (meine Ziele!) besprochen und er fragte mich daraufhin, ob ich mir das zutraue und meine Antwort war ja.

Die Ziele lauteten: Mehr Tore schiessen, weniger Tore erhalten, mehr Siege einfahren, weniger Niederlagen kassieren und besserer Tabellenplatz. Die Ziele mussten kumulativ erfüllt werden.

Wir haben alle Ziele erreicht.

Zu der Frage, wie ich damit umgegangen bin. Offensichtlich gut!

Wann stand es fest, dass du beim SC Brühl um ein weiteres Jahr verlängern wirst?

Irgendwann im April/Mai 2013. Das wir uns richtig verstehen, die Mannschaft war nie das Problem! Es ging lediglich nur immer darum, ob mir die Trainertätigkeit beim SC Brühl für das A-Diplom angerechnet wird oder nicht. Das ist zwar leider nicht der Fall, aber meine mittelfristige Ausrichtung hat sich ein wenig geändert.

Ohne jede Diskussion will ich das A-Diplom irgendwann in Angriff nehmen, aber noch nicht jetzt. Einerseits fühle ich mich beim SC Brühl bestens aufgehoben. Andererseits will ich für etwas ganz Besonderes auch die nötige Zeit haben.

Kannst du dich an jedes Spiel erinnern?

Zu 100%! Ich kann mich daran erinnern, wie die Kabinen ausgesehen haben, was wir an der Mannschaftssitzung besprochen haben und welche Highlights es im Spiel gab. Ich bin zwar „schon“ dreissig, aber mein Gedächtnis funktioniert besser denn je. Ich mache mir viele Notizen, deswegen erlebe ich jedes Training oder Meisterschaftsspiel gewissermassen zweimal. Ebenso beobachte ich viel, versuche auf Mimik und die allgemeine Körpersprache meiner Spieler zu achten.

Was war der schönste Moment der abgelaufenen Saison?

In den Gesichtern meiner Spieler zu sehen, dass es aufwärts geht.

Du stellst geschickt deine Mannschaft immer in den Vordergrund, deswegen die gleiche Frage ein wenig präzisierter: Was war der schönste Moment der abgelaufenen Saison für dich als Trainer?

In den Gesichtern meiner Spieler zu sehen, dass es aufwärts geht.

Du bist, wie du bist. Welches war der schlimmste Moment der abgelaufenen Saison?

Das Heimspiel gegen den FC Flawil als ich vom Platz gestellt wurde. Ganz ehrlich, der Platzverweis ist mir grundsätzlich egal, aber nicht die Gründe, die dazu geführt haben. Ich entschuldige mich in der Regel nie für etwas, was ich gesagt habe. Wenn, dann entschuldige ich mich für die Art und Weise, wie ich etwas gesagt habe. Ich musste nach dem Spiel immer und immer wieder die gleichen Fragen beantworten. Was ist passiert? Was hast du dem Schiedsrichter gesagt? Wie hoch wird die Busse sein? Wie geht es jetzt weiter? Das kostet Energie und Nerven und verstehen kann dich in diesem Moment sowieso niemand. Und nein, ich bereue nichts was ich in diesem Moment gesagt habe.

Personell hat sich in der Mannschaft einiges getan. Wie beurteilst du diese Entwicklung?

Auf die Saison 2012/2013 hin und während der Saison 2012/2013 kam es zu folgenden Austritten: Florin Aliji, Elmir Asani, Adriano Bitterli, Marius Casaulta, Marco Flütsch, Michael Hurter, Simon Ilonga, Kadir Sari, Daniel Kuzmoanovic, Andreas Müller, Luca Poltera, Daniel Schefer, Lukas Steiner und Marco Waldburger. Ich will diesen Spielern herzlich danken, dass sie sich zu Gunsten des SCB2 ins Zeug gelegt haben.

Ebenso will ich klarstellen, dass ich nicht einfach planlos irgendwelche Spieler aussortierte, sondern lediglich nach und nach die Messlatte eingestellt habe. In diesem Zusammenhang habe ich immer klar und transparent informiert.

Ich beurteile die Entwicklung so, dass wir am richtigen Ort Ballast abgeworfen haben.

Mit welchen Spieler startest du in die Saison 2013/2014?

Pascal Möller, Joël Coka, Daniel Born, Michael Wagner, Tobias Krüsi, Niklas Roelli, Nicolas Welte, Fabian Nufer, Damian Krömler, Ivan Pombinho, Marco Hug, Oliver Hächler, Vedat Ardic, Flavio Buchs, Fabrizio Bonazza, Patrick Kaczmarek, Fabio Kleinheinz und Stéphane Diez.

Viele Spieler kennst du privat. Ist das nicht schwierig für einen Trainer?

Nein, ganz im Gegenteil.

Ich begegne meinen Spielern mit einem gesunden Respekt. Es sind alles super Kerle. Klar gibt es im Bezug auf die Führung dieser Mannschaft einfache und weniger einfache Spieler. Aber das ist auch gut so! Ich war auch nie ein einfacher Spieler, absolut nicht. Aber man wird älter.

Ich fühle mich von meinen Spielern ebenso respektiert. Wir sind eine tolle Truppe, wenn auch etwas anders als sonstige Mannschaften…

Aber nein, es ist nicht schwierig. Es wird einfach knallhart zwischen Fussball und Privatleben getrennt. Neulich am Grümpelturnier des FC St. Otmar machte ich sogar die Erfahrung, dass plötzlich ein Spieler von mir mein Trainer war und mich sogar noch auswechselte. (lacht) Diez hat das super gemacht, richtig authentisch.

Stichwort Privatleben; was gibt es über dich so zu erzählen?

Auch bei der hundertsten Frage spreche ich nicht über mein Privatleben.

Du hast bald Sommerferien. Wann bist du in den Ferien Privatperson und wann Fussballtrainer?

Grundsätzlich habe ich zwei Dinge im Kopf. Das eine ist Fussball, das andere bleibt (vorerst) mein Geheimnis.

Fussballtrainer bin ich dann, wenn ich mich im Internet oder vor Ort über zukünftige Gegner informiere, Trainingseinheiten schreibe oder administrative Dinge erledige.

Privatperson bin ich dann, wenn mich etwas derart erfüllt und glücklich macht, dass alles andere zur Nebensache wird.

Ich erlebe jeden Tag beides. Dafür bin ich sehr dankbar.

Verbringst du diesen Sommer wieder in Los Angeles bei deinem Bruder?

Nein, dieses Jahr nicht. Ich bleibe hier und geniesse für einmal das Heimatsgefühl. Ich treibe viel Sport, dafür habe ich hier genügend Möglichkeiten. Schliesslich muss ich fit sein, wenn Mannschaft und Trainer im August auf den Säntis wandern.

Obwohl, eigentlich bin ich ja nicht die ganze Zeit hier. Aber darüber müsst ihr bestimmt nichts wissen! Ich habe ja gesagt, dass ich jeden Tag beides erlebe. (lacht)

Wie sieht dein Tipp für die neue Bundesliga-Saison aus? Wer wird Meister?

Wir müssen nicht darüber sprechen, was eh schon feststeht. Der FC Bayern München wird selbstverständlich Meister! Habt ihr denn gar keine Ahnung von Fussball?! 🙂

Viel witziger ist, dass ich ab sofort keine Witze mehr über Dortmund machen darf… Dabei macht das derart Spass!

Ein Witz erlaube ich mir noch: Warum kommen BVB-Fans schlecht bei Frauen an? Vermutlich wegen der Unterhosen. Vorne gelb, hinten schwarz!

Auf was müssen wir uns einstellen hinsichtlich der Saison 2013/2014?

Wir alle kennen unsere Ziele für die Saison 2013/2014. Jeder muss dafür die Ärmel hochkrempeln, sonst funktioniert das nicht!

Seit gestern sind die Gruppen bekannt. Wir spielen gegen den FC Goldach, FC Steinach, FC Sarajevo 92, FC Amriswil, FC Arbon, FC Romanshorn, FC Rotmonten, AS Scintilla, FC Neukirch-Egnach.

Ich kenne diese Gegner selber (noch) nicht. Bis zum Aufeinandertreffen wissen meine Spieler allerdings, was sie wissen müssen.

Du triffst auf deinen Ex-Verein FC Rotmonten. Sind solche Spiele spezieller als andere?

Ich kann nur für mich sprechen und meine Antwort lautet ganz klar nein.

Es ist ein Spiel, wie jedes andere. Wir wollen gewinnen! Es kann sein, dass sich bei einer solchen Konstellationen ein Sieg oder eine Niederlage spezieller oder intensiver anfühlt, aber das kann ich ja dann sagen, wenn es soweit ist.

Noch ein Schlusswort?

Vielen Dank an alle, die uns unterstützen, Spiele schauen kommen, sich für uns interessieren, Matchberichte lesen, auf unserer Facebook-Seite abhängen, uns immer wieder anfeuern, Spass mit uns haben und und und…

Ein grosses Dankeschön an euch da draussen!

PF PRO SOCCER bedankt sich für das nette Interview und wünscht einen erholsamen, unfallfreien und hoffentlich sonnigen Sommer.

Wir melden uns pünktlich zum Vorbereitungsbeginn am 5. August 2013 wieder zurück.

Sportliche Grüsse

PF PRO SOCCER

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