01.06.2014: SC Brühl : FC Neukirch-Egnach 3:1 (1:0)

Ausgangslage für das heutige Spiel?

Mit einem Sieg ist der SCB 2 vorzeitiger Meister der Gruppe 7 und schafft gleichzeitig den Aufstieg in die 4. Liga.

Auch statistisch gesehen hat es die heutige Partie in sich: Die Kronen sind in der laufenden Saison zu Hause noch ohne Niederlage. Gewinnt man heute, dann wäre das der siebte Sieg in Serie. 

1. Halbzeit:

Der SCB 2 spielt wie gewohnt in einem 4-3-2-1 System. Dem Heimteam war die Anspannung sichtlich anzumerken. Irgendwie wollte keiner der Akteure in die Rolle des kreativen Initiators schlüpfen. Die Folge waren telefonierte Pässe, zu wenig Bewegung, Flüchtigkeitsfehler und offensive Mangelware. 

Der FC Neukirch-Egnach zeigte sich in den ersten zwanzig Minuten insgesamt entschlossener und energischer als der SCB 2. Die Kronen brauchten einen Moment um die Nervosität abzulegen. Von „locker nehmen“ war bei den Gästen nichts zu erkennen.

Die Offensivaktionen der Kronen wurden endlich einen Spur gefährlicher. So ab der dreissigsten Minute konnte das Heimteam erstmals ein wenig Druck ausüben. Das Spielgeschehen war zu diesem Zeitpunkt hauptsächlich in der Abschlusszone. Der FC Neukirch-Egnach mit ihrem Kapitän Andreas Schmid (ehemaliger Brühler und Teamkolleg von SCB 2 Trainer Pascal Frommenwiler) hatte aber alles im Griff. 

Ups and Downs häuften sich jetzt!

Ups, weil Niklas Roelli und Ardijan Sinanaj den Führungstreffer auf dem Fuss hatten. Im entscheidenden Duell gegen den Schlussmann der Gäste aber scheiterten.

Downs, weil ohne das Eingreifen von «The Wall» Nicolai Grob der SCB 2 plötzlich einem Rückstand  hätte hinterherlaufen müssen. Souverän und total abgeklärt parierte Grob den Schuss aus nächster Nähe. Nur einen Moment später war es dann der Kapitän Pascal Möller höchst persönlich, der auf der Linie rettete.

Sowohl der SCB 2 als auch der FC Neukirch-Egnach hatte nach dreissig gespielten Minuten zwei erstklassige Chancen.

Für alle Fälle Vedat Ardic.

In der 32. Minute sorgte Vedat Ardic dann für die grosse Erleichterung. Der offensive Mittelfeldspieler eroberte im Strafraum den Ball und schob das Leder an Freund und Feind vorbei ins Tor. Der SC Brühl führt 1:0!

Das Heimteam verwaltete bis zur Pause gekonnt und mit viel Geschick die knappe Führung.

2. Halbzeit:

Nicht nur spielerisch, sondern auch physisch verlangte der FC Neukirch-Egnach alles vom SCB 2 ab. Ruhe in das Spiel zu bringen würde bedeuten, dass die Kronen einen zweiten Treffer erzielen. Chancen gab es über weite Strecken der zweiten Halbzeit keine. Beide Mannschaften neutralisierten sich häufig schon in der Vorbereitungszone.

Ballverlust hier, Ballverlust da. Zweikampf gewonnen, Zweikampf verloren. Hektik überall!

In der 67. Minute dann der grosse Auftritt von Niklas Roelli. Auf perfektes Zuspiel vom Mittelfeld konnte Niklas Roelli Tempo aufnehmen und mit der ganzen Brühler Hoffnung im Gepäck auf den gegnerischen Kasten zusteuern. Zum Abschluss kam Niklas Roelli leider nicht, weil er zuvor mit einem Foul gestoppt wurde.

Penalty!

Entweder 2:0 und ein wenig Ruhe oder 1:0 und anhaltendes Nervenflattern.

Adrian Zwick nahm die Verantwortung auf sich und legte sich den Ball zurecht. Dann folgte für einen kurzen Moment die ganz grosse Stille im Grüningerstadion. Der Schuss ging an die Latte, aus der 2:0 Führung wurde nichts, das Nervenflattern wurde jetzt sogar noch stärker.

Die bisherigen 70. Spielminuten verkörperten alles an Dramatik, was man sich hätte vorstellen können.

Pascal Frommenwiler verstärkte die Offensive. Niklas Roelli wurde vom offensiven Mittelfeld in die Spitze beordert. Die Position von Roelli übernham Vedat Ardic.

Dann…

Wir schreiben die 78. Spielminute. In der Hauptrolle Niklas Roelli!

Wieder kam es zum Duell Roelli gegen FCNE-Torwart. Zwar hatte Roelli erneut das Nachsehen, weil der Ball nur an den rechten Pfosten prallte. Aber genau weil Roelli im Bewegungsablauf seine Aktion zu Ende spielte, mit anderen Worten nach der Schussabgabe nicht einfach stehen geblieben ist, sondern mitlief, konnte er doch noch das so wichtige 2:0 erzielen.

Die Gedanken an allfällige Feierlichkeiten waren spätestens in der 83. Minute verflogen. Es passierte, was niemals hätte passieren dürfen. Der FC Neukirch-Egnach erzielte den 2:1 Anschlusstreffer. Zu spielen waren mindestens noch zehn Minuten. Ein Unentschieden würde dem Heimteam aufgrund der Strafpunkte zum vorzeitigen Meistertitel nicht reichen.

Pascal Frommenwiler tätigte einen erneuten Wechsel. Der gelb vorbelastete Yanik Zimmermann wurde durch Joël Coka ersetzt. Frommenwiler nahm Niklas Roelli wieder zurück auf seine ursprüngliche Position als offensiver Mittelfeldspieler. Neu im Sturm jetzt mit der Nr. 15 Joël Coka.

In der 91. Minuten schreibt Fussball dann wohl die schönste Geschichte am heutigen Tag.

Adrian Zwick legte nach einem herrlichen Solo für Joël Coka auf, der nur wenige Minute zuvor eingewechselt wurde. Coka behielt die Nerven und schob dem Ball gekonnt gegen die Laufrichtung des Torhüters zum 3:1 ein. Fantastisch!

Der SCB 2 gewinnt in einem dramatischen Spiel verdient mit 3:1 und steht somit als Meister und Aufsteiger fest. Kompliment an die Gäste, die ihren Teil zu einem tollen Fussballhighlight beigetragen haben. 

SCB 2 is back!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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4 Kommentare zu 01.06.2014: SC Brühl : FC Neukirch-Egnach 3:1 (1:0)

  1. Daniel Kehl sagt:

    Grossartige Aufsteiger vom SCB2!
    Herzliche Gratulation! Bei euch ist viel Herzblut spürbar. Ich wünsche euch, dass ihr so weiterspielt: Mit klaren Ideen, einem langen Atem und viel Engagement. Geniesst den Moment, den ihr zusammen und als Team erreicht habt. Ganz besonders mag ich den Erfolg den Spielern aus meinen Berufsschulklassen gönnen. Und jetzt geht’s mit der ganzen Euphorie des Aufstiegs hinein in die Schlussprüfung und in die nächste Saison! Hopp Brühl!
    Daniel Kehl

    • admin sagt:

      Hallo Daniel Kehl

      Herzlichen Dank für die Glückwünsche und die netten Worte!

      Ich bin überzeugt, dass der SCB 2 mit viel Fleiss und Einsatz auch in der 4. Liga begeistern kann.

      An alle Berufsschulklassen: „TOI TOI TOI FÜR DIE SCHLUSSPRÜFUNG!“

      Pascal Frommenwiler
      Trainer SCB 2

  2. Paolo Liranzo sagt:

    Als langzeitiger Verfolger eurer Resultate muss ich sagen: CHAPEAU! Ich ziehe meinen Hut vor euch: gut gespielt als es darauf ankam, taktisch sauber (ab und an war doch die nervosität [alter/erfahrung?] wieder kurz da 😉 ) und hoch motiviert! und ein trainer, der seine Spieler einfach kennt und weiss, wie sie ticken! Gute Arbeit, coach!

    3 Fragen:

    1. Wie konntest du die Jungs zur Pause bei Laune halten? Resp. Wie konnte die Konzentraiton so hoch gehalten werden, wenn der Sieg/Aufstieg so nahe ist? Hast da wohl die sehr treffenden Worte gefunden!

    2. Dein Spielsystem ist mrdern, mir manchmal fast zu modern 😉 Was hältst du von einem System mit einem Libero? Natürlich nicht ganz der klassische Libero…

    3. darf man die Hintergründe erfahren, warum die Geschichte um den Stürmer, der in der 93. Minute noch das Tor schiesst, so speziel ist?

    Wie auch immer: Geile Saison, man gratuliert und nächste Saison: Immer weiter, immer weiter!

    • admin sagt:

      Hallo Paolo

      Vielen Dank für die Glückwünsche!

      Ich habe mich sehr über deinen Eintrag gefreut.

      Natürliche lese ich es gerne, wenn der SCB 2 wie du so schön sagst „langzeitige Verfolger“ hat, die das Geschehen rundum das Team mitverfolgen. Das finde ich toll!

      Gerne versuche ich deine Fragen zu beantworten.

      1.

      Meine Halbzeitansprache war kurz und knapp.

      Ich habe darauf hingewiesen, was wir in der zweiten Halbzeit unbedingt besser machen müssen. Mit geschicktem Verhalten sorgte der FC Neukirch-Egnach für Überzahlsituationen in der Vorbereitungszone (Mittelfeld). Für uns ein Risiko, weil wir faktisch nur mit drei Mittelfeldspielern agieren. Ebenso haben mir die Abstimmungsprobleme zwischen Innen- und Aussenverteidiger nicht gefallen, wofür in erster Linie die mangelnde Kommunikation auf dem Platz ausschlaggebend war.

      Ich habe also auf diese zwei Punkte hingewiesen und selbstverständlich auch in Sachen Motivation einige Dinge gesagt. Der Druck auf den Spielern war enorm. Was wäre gewesen, wenn es vor perfekt angerichteter Kulisse doch nichts mit dem Meistertitel und Aufstieg geworden wäre.

      In den paar Minuten der Halbzeitansprache ist es wichtig auf Floskeln zu verzichten. Ich will für einen Aha-Effekt sorgen. Die Spieler müssen sich vom Trainer verstanden fühlen, so als ob er ihre Gedanken lesen und hören kann.

      2.

      Vorweg: Es ist alles modern, was nichts mit einem System 4-4-2 zu tun hat.

      Selbstverständlich hat sich das Lehrbuch-System 4-4-2 über lang Zeit bewährt. Heute sieht man es aber nur noch selten.

      Wir spielen in einem System 4-3-2-1. Was heisst das?

      Ich sehe es leider häufig, dass Trainer während einem Spiel ihr System nach Belieben ändern, allerdings gar keine Ahnung haben, was sie überhaupt tun. Dieses Vorgehen vermittelt den Eindruck, dass per Knopfdruck nach Lust und Laune umgestellt werden kann.

      Absoluter Blödsinn!

      Ich bin klar der Meinung, dass man anhand des Spielsystems und der Art und Weise wie es der Fussballtrainer unterrichtet, erkennen kann, wie es um die Fach- und Methodenkompetenz des jeweiligen Cheftrainers steht.

      Ein Spielsystem der Mannschaft zugänglich zu machen und einzutrainieren ist hoch komplex, verlangt ganz viel Geduld und viel Präzisionsarbeit. Beim Einstudieren von Ballstafetten ist gut oft nicht gut genug.

      Warum ist das so schwierig?

      Trainiert man Defensivverhalten gibt es nur richtig oder falsch. Die Offensive ist viel schwieriger zu trainieren als die Defensive. Bei der Offensive ist Kreativität, Erfindergeist und Mut zur Lücke gefragt.

      Wer steht wo?
      Wie sind die Abstände?
      Wie verteidigt man auf der Seite?
      Wie im Zentrum?
      Was hat es mit Forechecking auf sich?
      Was ist nochmals Pressing?
      Wann Raumdeckung?
      Wann Manndeckung?
      Wer oder was ist ein offensiver Fuss bei der Ballannahme?
      Wann breit machen?
      Wann kompakt stehen?
      Wer baut über wen in welcher Situation auf?
      Welche Aufgaben haben die jeweiligen Reihen?
      Was macht man in der Aufbauzone?
      Wer muss was in der Vorbereitungszone machen?
      Und der Stürmer in der Abschlusszone?

      Viele Fragen. Die Antworten darauf verlangen totale Fussballbesessenheit eines Trainers. Zu glauben, dass man nach Lust und Laune von 4-4-2 auf 4-3-3- oder 4-3-2-1 umstellen kann ist absoluter Quatsch.

      Ich schaue mir im Monat zwischen 20 – 30 Fussballspiele am TV an. Ich mache mir Notizen, fotografiere sogar einzelne Sequenzen, die ich im Training mit den Spielern anschaue. Ich lese Bücher, frage Trainer in oberen Ligen um Rat oder hole mir generell Feedback ein.

      Von einem Spielsystem mit einem Libero halte ich persönlich nichts. Der Torwart soll ganz klar die Position eines früheren Liberos spielen können und vor allem müssen. Es lohnt sich mit einem Torwart nicht nur die Technik zu trainieren, sondern auch Spielverständnis (Antizipation, Spiel ohne Ball usw.) anzuschauen.

      Wenn man sich einmal für ein Spielsystem entschieden hat ist es absolut zwingend, dass auch die Trainingseinheiten auf dieses Spielsystem ausgerichtet werden. Das ist wohl die grösste Knacknuss.

      Die Spieler des SCB 2 trainieren auch im Training nach Möglichkeit auf ihren Positionen.

      3.

      Joël Coka erzielte den Treffer zum 3:1.

      Die Geschichte ist deshalb so speziell, weil Joël erst vor 2 ½ Jahren mit dem Fussball spielen begonnen hat.

      In Sachen Technik, Taktik und Physis fing er bei Null an.

      Es ist für einen Spieler nicht einfach, wenn man als „Fussballfrischling“ in einem Team anfängt, in dem jeder Spieler irgendwann einmal ausgebildet – unabhängig wie gut oder schlecht  – wurde.

      Joël arbeitet wahrscheinlich härter an sich, wie jeder andere Spieler. Hat er die Wahl, ob er eine Übung mit dem schwachen oder mit dem starken Fuss absolvieren will, entscheidet er sich für den schwachen.

      Sein Einsatz ist absolut vorbildhaft. Er ist ein echter Sportsmann, der seine Möglichkeiten effizient einsetzt und stets bemüht ist besser zu werden.

      Nachdem er gegen den FC Arbon nach einem sehenswerten Kopfball nur die Latte traf und ohne Tor geblieben ist, hofften wir alle, dass es im Matchball-Spiel klappt.

      Das 3:1 durch Joël Coka (Zuspiel von Adrian Zwick) bedeutete gleichzeitig sicherer Aufstieg.

      Ich hoffe, dass ich deine Fragen beantworten konnte.

      Pascal Frommenwiler
      Trainer SCB 2

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