04.11.2012: SC Brühl – FC Winkeln 2:5 (2:1)

Derby-Time! Im letzten Vorrundenspiel der Saison 2012/2013 treffen die Kronen auf den Tabellennachbar FC Winkeln. Lediglich 1 Punkt trennen die zwei Mannschaften aus dem Osten und Westen der Stadt. Mit einem Sieg kann der SC Brühl bis auf den zweiten Tabellenplatz vorstossen. Bei einer Niederlage und einem Sieg des FC Appenzell im Spiel gegen den FC Flawil droht dem SCB allerdings der sechste Tabellenplatz. Motivationsschub oder Nervenflattern, das ist die Frage. Fakt ist, dass mit dem FC Winkeln ein heisser Aufstiegskandidat auf dem Platz steht. 

Um 13.30 Uhr pfiff Schiedsrichter Daniel Garcia das Spiel an. Tempofussball in den Anfangsminuten war das Rezept, das Trainer Pascal Frommenwiler von seinen Spielern verlangte. Im Angriff sollen Stéphane Diez als Stossstürmer, Niklas Roelli im linken und Michael Wagner im rechten offensiven Mittelfeld für die nötige Gefahr vor dem gegnerischen Tor sorgen. 

Gesagt, getan!

In den ersten 20 Minuten strotzte der SC Brühl förmlich vor Ballsicherheit und Spielfreude. Man liess den Ball gut zirkulieren und konnte aus der Vorbereitungszone mit präzisem Passspiel immer wieder die schnellen Flügel in Szene setzen. Für einmal war auch nichts von Hektik oder Unkonzentriertheit auf dem Spielfeld zu sehen. Die Spieler erledigten ihre individuellen Aufgaben mit der nötigen Sorgfalt und Entschlossenheit. Einzig das Tor fehlte noch. 

Das dachte sich wohl auch Stéphane Diez, der heute von Anfang an spielte. Als ob das „Sonntags-Schuss-Mittellinie-Traumtor“ im Spiel gegen Gossau nicht schon genug gewesen wäre, sorgte Diez auch heute gegen den FC Winkeln wieder für die verdiente 1:0 Führung. Einmal mehr mit viel Gefühl im Fuss zirkelte er den Ball aus spitzem Winkel über den Torhüter ins lange Eck. Schon wieder ein Tor mit dem Prädikat Extraklasse!

Aber damit nicht genug. 

Nur zwei Minuten später in der 8. Spielminute spekulierte Diez auf einen Abpraller und stand dadurch zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Er erhöhte den Score gleich selber auf 2:0. Sensationell! Bahnt sich da allenfalls ein lupenreiner Hattrick an? Drei aufeinanderfolgende Tore vom gleichen Spieler in einer Halbzeit. Für das kleine Wunder hatte Stéphane noch 37 Minuten Zeit.

Doch dann kam alles anders.

Stéphane Diez signalisierte Trainer Frommenwiler, dass es nicht mehr weiter geht. Vermutlich bei der Landung nach einem Kopfballduell hat sich Diez irgendwo im Brustkorbbereich etwas eingeklemmt. Folglich nahm Frommenwiler seinen Spieler vom Platz.

Bis zur 2:0 Führung war vom FC Winkeln nicht sonderlich viel zu sehen. Der SCB war in allen Belangen überlegen und auch in Sachen Spielgestaltung immer einen Schritt voraus. Winkeln deswegen abschreiben? Nein, auf gar keinen Fall! 

Das 2:0 schien die Gäste wachgerüttelt zu haben. Ab der 25. Spielminute sah man dann mehrheitlich nur noch eine Mannschaft am spielen: Nicht Brühl, nein, Winkeln hatte das Zepter von nun an fest in der Hand.

Winkeln machte Druck und drängte auf den Anschlusstreffer. Die Kronen mussten sich weit in die eigene Platzhälfte zurückziehen. Phasenweise konnte man sich nur noch mit langen Bällen ins Nirvana etwas Luft verschaffen. Winkeln konnte innert Sekunden von der Defensive in die Offensive umschalten. Der SCB 2 kam oft den bekannten Schritt zu spät. Winkeln praktizierte Angriffsfussball par excellence. Angriff über links, Angriff über rechts, durch die Mitte. Bei den Kronen schien nichts mehr zu funktionieren. Und dann war sie wieder da, die liebe Nervosität… 

Winkeln gelang der Anschlusstreffer. Der Spieler mit der Nummer 11 verkürzte auf 2:1. Und auch bei diesem Treffer bekamen die Zuschauer grosses Kino geboten. Ein zuvor perfekt eingeleiteter Angriff seitens Winkeln wurde mit einem Heber über Torhüter Marius Casaulta entsprechend gekrönt.

Langsam aber sicher erholten sich auch die Kronen wieder von diesem Schock. Es wurde wieder Angriffsfussball gespielt. Das Spiel ging plötzlich wieder in eine andere Richtung. Die letzten 10 Minuten vor der Pause betrieben die Kronen richtiges Powerplay. Einzig im Abschluss zeigte man sich fahrlässig. Drei 100%ige Torchancen boten sich an, drei 100%ige Torchancen blieben ungenutzt.

Pausenstand 2.1.

David gegen Goliath, so hätte man die zweite Halbzeit auch nennen können. Wobei die Rolle des Goliath klar dem FC Winkeln zuzuschreiben ist. In der 53. Spielminute kam es auf Seiten des Heimteams zum einem Handspiel im Strafraum. Ein diskussionsloser Elfmeter und der Ausgleich zum 2:2 waren die Folge.

Alles wieder auf Anfang.

Der FC Winkeln kämpfte sich nach einem 2:0 Rückstand nochmals ins Spiel zurück und kam zum verdienten 2:2 Ausgleich. Klar will man jetzt noch mehr! Winkeln spielte wie aus einem Guss. Nahezu alle Zweikämpfe wurden gewonnen, mit Doppelpässen spielte man das Heimteam schwindelig und Marius Casaulta geriet unter Dauerbeschuss. Lange Rede, kurzer Sinn.

In der 61. Spielminute traf Winkeln zur 2:3 Führung.

In der 70. Spielminute erhöhten die Gäste zur 2:4 Führung.

In der 88. Spielminute ballerte sich Winkeln noch vom Elfmeterpunkt zum 2:5.

2:0 geführt, 2:1 zur Pause, 2:5 verloren.

Das Team von Pascal Frommenwiler überwintert auf dem sechsten Tabellenplatz.

PF PRO SOCCER sprach am Tag nach der bitteren Pleite mit dem Trainer.

So etwas schon einmal erlebt?

Nein.

Aber auch solche Erfahrungen bringen mich als Trainer weiter.

Ist Winkeln der verdiente Sieger?

Ja, ganz klar.

Ich gratuliere dem FC Winkeln zum Sieg.

Wenn eine Mannschaft auswärts einen 2-Tore-Rückstand aufholt und ein Spiel vom Ergebnis her auch noch klar und deutlich gewinnt, dann hat das nichts mit Glück, sondern viel eher mit Charakter und grossem Selbstbewusstsein zu tun.

Winkeln hat mit einer starken Leistung überzeugt und letztlich auch verdient gewonnen.

Der FC Winkeln und der FC Teufen sind beides Aufstiegskandidaten, wer macht das Rennen?

Das ist schwierig zu sagen.

Für mein Empfinden spielt der FC Winkeln den besseren Fussball als Teufen. Teufen muss ich allerdings gutheissen, dass sie beeindruckend konstant spielen und auch gewinnen.

Und nicht zu vergessen ist auch der FC Flawil. Lachender Dritter?

Es bleibt spannend, lassen wir uns überraschen.

Einige Worte zum Doppeltorschützen Stéphane Diez?

Das ist natürlich super!

Ich freue mich für Stéphane, dass es derzeit so gut für ihn läuft. Davon profitiert auch die ganze Mannschaft.

Er verbindet Professionalität mit der Freude an der Sache. Stéphane geht mit der richtigen Einstellung auf den Platz, unabhängig ob im Training oder in der Meisterschaft.

Er nutzt die vorhandenen Möglichkeiten (Training, Spielzeit usw.) um seine persönlichen Fähigkeiten immer weiter zu verbessern. Ich hatte noch nicht viele Spieler mit genau dieser Eigenschaft.

Für mich ist auch klar, dass er in der Rückrunde ganz klar als Stürmer eingesetzt wird. Ein erfolgreicher Stürmer zeichnet sich vor allem durch das Spiel ohne Ball aus. Im richtigen Moment am richtigen Ort stehen. Das kann man bis zu einem gewissen Punkt lernen, braucht letztlich aber auch einen gewissen Riecher und viel Spielverständnis. Antizipation kommt nicht von heute auf morgen.

Stéphane versteht zweifelsfrei viel von Fussball. Das ist ein Vorteil wenn es darum geht, ein Spiel „zu lesen“.

Niklas Roelli hat 90 Minuten durchgespielt, wie beurteilst du seine Leistung?

Niklas ist ein Juwel! Unser F50, der wie ein Torpedo ohne jegliche Umwege in die Gefahrenzone eindringt.

Jahrgang 1996 und ist bereits zu einem absoluten Leistungsträger herangewachsen. Ich bin stolz auf Niklas. Er hat seine Chance genutzt, hat seine Position im offensiven Mittelfeld gefunden und durfte sich ja auch schon als Torschütze feiern lassen.

Bist du zufrieden mit der Vorrunde 2012/2013?

Ja, das bin ich, ganz ehrlich.

Meine Mannschaft läuft quasi zum ersten Mal seit der Existenz unter Normalbetrieb. Es ist mir bewusst, dass Siege dazu animieren plötzlich von grösseren Zielen zu sprechen.

Zum richtigen Zeitpunkt habe ich nichts dagegen, aber derzeit sind wir immer noch auf der „Wiedergutmachungs-Tour“.

Wir verfolgen weiter unsere Saisonziele, da gibt es immer noch offene Posten.

Wie geht es weiter?

Jetzt geht es darum der Mannschaft endlich ein Gesicht zu verpassen.

Ich will eine Leistungsmannschaft mit 18 – 22 Spielern, in der ein gesunder Konkurrenzkampf herrscht. Es ist mir bewusst, dass einige Akteuere auf der Strecke bleiben werden. Das ist nicht zu vermeiden.

Schlusswort?

Herzlichen Dank an alle Zuschauer, die gestern den Weg ins Espenmoos gefunden haben.

Es hat uns sehr gefreut, dass auch Vertreter der ersten Mannschaft unter den Zuschauern waren. Danke euch Mauro und Jägi!

Leider reichte es nicht für einen Sieg, aber es kann ja nicht immer klappen.

Wir bleiben dran 🙂

Sportliche Grüsse

PF PRO SOCCER

Details zum Spiel:

06. Spielminute: 1:0 Stéphane Diez
08. Spielminute: 2:0 Stéphane Diez
26. Spielminute: 2:1 Gegner
39. Spielminute: gelbe Karte Gegner
53. Spielminute: 2:2 Gegner (Penalty)
61. Spielminute: 2:3 Gegner
70. Spielminute: 2:4 Gegner
88. Spielminute: 2:5 Gegner (Penalty)

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